
Bei iMAG las ich vor kurzem einen Artikel über Ultramercials. Dabei handelt es sich um mehrseitige browserfüllende Online-Werbeanzeigen, die den kostenfreien Abruf der dahinterliegenden Premium-Inhalte ermöglichen und finanzieren soll.
„Dank einer überschaubaren, einfachen Navigation durch hochwertig designte Anzeigen gelangt man mühelos und zügig an gewünschte Inhalte wie erstrangige Artikel, Musik, Downloads, VOD (Video On Demand), Spiele etc. Eine attraktive Alternative zu Abonnements und anderen Bezahlinhalten.“
Quelle: iMAG
Das TIME Mazine hat bereits eine Testaktion mit der neuen Werbeform hinter sich. Der Anbieter Ultramercial verspricht sich und seinen Kunden von den großflächigen Werbeeinblendungen das perfekte Win-Win-Szenario.
„Dem Anzeigen-Sponsor sind messbare Klick-Werte garantiert, der Provider wird bezahlt und der User erhält hochwertigen Web-Inhalt gebührenfrei.“
Quelle: iMAG
Ich bin da eher skeptisch. Zwar klingt es durchaus verlockend, sich als Website-Besucher die gewünschten kostenpflichtigen Inhalte mit dem Klick durch eine kleine Anzeigenstrecke zu „erkaufen“. Doch andererseits lausche ich aus genau diesem Grund nicht mehr dem Internetradioportal Live365.com. Die recht langen und teilweise ziemlich platt gemachten Spots für eine kostenpflichtige „Preferred Membership“, die sich bei jedem(!) Stationswechsel unwillkürlich in Bild und Ton dem Nutzer aufdrängen, nerven mit der Zeit doch sehr. Und warum sollte ich für eine solche „Preferred Membership“ Geld ausgeben, wenn ich über meinen Winamp-Player eine große Menge kostenloser und nicht werbeunterbrochener Internetradiosender hören kann? Ganz zu schweigen von den vielen Podcasts mit einem umfangreichen Programm unverbrauchter Musik abseits des Mainstream.
Doch zurück zu den Ultramercials. Selbst wenn sich die Besucher regelmäßig und mehr oder minder geduldig durch die massiven Werbeeinblendungen klicken. Mit Sicherheit wird sich auf die Dauer herausstellen, dass die meisten Besucher nur die minimal notwendige Zeit auf den Werbeseiten verweilen, da sie diese Werbung ausschließlich als notwendiges Übel empfinden, um an die dahinter liegenden Premium-Inhalte zu gelangen.
Der werbende Ultramercial-Kunde erhält durch die zwangsverordnete Werbevorschaltung zwar hohe Klickraten. Doch was bringt ihm eine große Menge desinteressierter Websurfer, die sich so schnell wie möglich durch seine von teuren Kreativdirektoren aufwendig gestalteten Hochglanz-Multimedia-Anzeigen klickt? Statt effizienten und zielgruppenorientierten Online-Marketings wird hier leider doch nur wieder der althergebrachte Werbe-Vorschlaghammer herausgeholt: Inhalte unverändert lassen und Werbedruck erhöhen – zur Not mit der Knebelmethode „entweder Werbung anschauen oder gewünschte Inhalte nicht lesen dürfen“. Ob sich diese Werbeform für Kunden wirklich rechnet, bleibt abzuwarten. Die Akzeptanz wird mit Sicherheit in großem Maße von der Ausgestaltung der zwischengeschalteten Werbeseiten abhängen.

