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Werbung zur Fußball-WM, aber bitte ohne Fußball!

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Der deutsche Mittelstand schmollt. Viele Unternehmen würden so gerne mit der WM werben, können oder dürfen aber nicht, weil die FIFA ihre Werbereglemtierungen mit aller Härte und manchmal mit ans Lächerliche grenzender Engstirnigkeit durchzusetzen versucht.

„Wieder mal ist es der Mittelstand, der den Zug an sich vorbeirauschen sieht. Doch das Ticket zur WM können sich viele Unternehmen einfach nicht leisten. Dabei geht es nicht unbedingt darum, zu den ganz großen Sponsoren der Fußball-Weltmeisterschaft zu gehören, sondern schlicht um das Dabeisein.
Quelle: w&v, Ausgabe 9/2006, S. 3

Abhilfe schaffen soll jetzt das mäßig hübsche „Fan-Logo für alle“ von Deutschlands führender Werbepostille w&v. Nach dem Willen der Zeitschriftenmacher sollen Medien, Agenturen und Unternehmen das Fan-Logo kostenlos für Flyer, Plakate, Broschüren, Anzeigen und Veranstaltungen nutzen. Dass die Bereitstellung dabei keineswegs so „bedingungslos“ erfolgt, wie es im Editorial der Ausgabe 9/2006 betont wird, zeigt Thomas Wanhoffs prüfender Blick auf die Lizenzvereinbarung.

Doch muss es wirklich sein, dass jetzt auch Metzger Huber und Bäcker Müller aus Hintertupfingen gefahrlos und daher aller Voraussicht nach umso vehementer im WM-Jahr mit Fußballmotiven werben? Fällt deutschen Unternehmen wirklich nichts besseres ein als „schlicht dabeizusein“?

Mir persönlich geht die Allgegenwärtigkeit des bevorstehenden Großereignisses bereits jetzt, Monate vor seinem eigentlichen Beginn, kräftig auf die Nerven. Keine Werbeinsel im Fernsehen, keine Plakat-, Anzeigen- oder Radiowerbung, keine Supermarkt- oder Ladendeko und keine Zeitschrift, in der es nicht mehr oder minder platt und aufdringlich „weltmeisterschaftelt“. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Gestern sah ich im Supermarkt um die Ecke Osternester mit jeweils einem Schokoladenosterhasen, Schokoladeneiern und – Schokoladenfußbällen … Toller Gag, und vor allem so einfallsreich! Hätte nur noch gefehlt, dass das Ostergras mit Mittellinie und Strafraum verziert worden wäre. Ja ja, it’s your Heimspiel!

Aber mal ehrlich: Ist Deutschland wirklich so unkreativ? Fällt den Unternehmen tatsächlich nichts anderes ein, als krampfhaft Produkte und Kommunikation auf Fußball zu trimmen – egal wie gezwungen, austauschbar und manchmal sogar peinlich diese Maskerade wirkt?

Zum Glück gibt es immer wieder löbliche Ausnahmen. Ein Beispiel ist der Fanclub Eigenheim der LBS. Obwohl die Idee recht fußballnah ist, hebt sie sich doch wohltuend vom Einheitsbrei der sonst üblichen Fußballoptik ab.

Ein anderes Beispiel ist die monatliche Mailingaktion meines ehemaligen Arbeitgebers, der Nürnberger Kommunikationsagentur portamundi, die sich an Interessenten, Kunden und Multiplikatoren richtet. Für die Postkarten und das Gewinnspiel hat die Agentur nicht etwa den Fußball-Look Ihrer bewährten „Tor des Monats“-Idee noch einmal aufgewärmt und modifiziert, sondern schlägt bewusst die entgegengesetzte Richtung ein.

Meisterleister

Nach den Postkartenserien Jagentur und Zusatznützlich zeigt portamundi in diesem Jahr unter dem Titel „Meisterleister 06“, dass es auch im WM-Jahr noch mehr gibt als immer nur Fußball: so zum Beispiel die Deutsche Meisterschaft im Gummistiefelweitwurf. Zusätzlich kann man sich auf der Microsite www.portamundi.de/meisterleister nicht nur passende Desktop-Hintergründe downloaden, sondern auch einen iPod zu gewinnen. So macht Werbung zur Fußball-WM Spaß: ohne die uninspirierte Abbildung abgegriffener Fußballinsignien, dafür mit Witz und frecher Optik.

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