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E-Paper beim ADAC

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ADAC Motorwelt

Das Stichwort E-Paper lässt die Herzen vieler Verlagsmanager höher schlagen: Original-Zeitungslayout am Bildschirm – meist inklusive vieler bunter, blinkender und selbstverständlich verlinkter Werbeanzeigen. Was an E-Paper so toll sein soll, hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Den meisten anderen Internetnutzern wohl auch nicht, denn irgendwie können sich die meisten E-Paper-Angebote nicht so richtig bei der breiten Masse durchsetzen.

Wozu sollte ich mich am Bildschirm mehr oder weniger mühsam durch die z. B. als Flashfilm oder PDF-Dokument aufbereiteten Grafiken des Original-Zeitungslayouts wühlen und einzelne Teile erst einmal vergrößern, um sie überhaupt lesen zu können? Jede gut strukturierte Website ist mir tausendmal lieber. Die kann ich nämlich am Bildschirm auch wirklich gut bedienen und sogar lesen. Solange ich auf meinem Schreibtisch keinen 21-Zoll-Flachbildschirm mit 300 dpi Auflösung stehen habe, kann ich auf E-Paper-Ausgaben gut verzichten. Und apropos Webstandards und Barrierefreiheit: Mobile Endgeräte werden immer populärer. Doch wie soll man eine E-Paper-Zeitungsausgabe auf einem 320 × 320 Pixel großen Palm-Bildschirm lesen können? Bei einer Website mit einem PDA-optimierten Stylesheet ist das hingegen kein Problem.

Die seit einigen Monaten erhältliche E-Paper-Ausgabe des ADAC-Clubmagazins wird besonders heftig beworben. Anfänglich mehrseitige Feature-Artikel in der Print-Ausgabe sind mittlerweile 1/3-seitigen Hinweisen gewichen. Diese erscheinen aber konsequent in jedem Heft. Und auch auf der Website und per E-Mail wird versucht, die Mitglieder für die E-Paper-Ausgabe zu begeistern. Der Hintergrund ist anscheinend die Kostenersparnis für den ADAC. Um die digitale Ausgabe überhaupt lesen zu können, muss man sie nämlich abonnieren. Und soweit ich das verstanden habe, ersetzt dieses Abonnement automatisch den Bezug der Print-Ausgabe. Das spart natürlich Kosten.

Um Argumente für die E-Paper-Ausgabe ist der ADAC jedenfalls nicht verlegen:

  • „Viele der angebotenen Artikel werden mit Filmen ergänzt.
  • Mit den praktischen Speicherfunktionen können Sie besonders interessante Artikel wie den Sommerreifentest bequem speichern – und sofort abrufen, wenn der Reifenkauf bevor steht.
  • Besonders anwenderfreundlich: Artikel, die auch für Freunde und Bekannte lesenswert erscheinen, können bequem per PDF im Mail verschickt oder gespeichert werden.
  • Das Abo des E-Paper ist natürlich kostenlos für Sie. Sollten Sie mit der digitalen Version nicht zufrieden sein, können Sie jederzeit zur gedruckten ADACmotorwelt zurückkehren. Häkchensetzen genügt.“

Quelle: ADAC

Das alles könnte man natürlich auch problemlos mit einer standardkonformen Website hinbekommen.

Ein kurzer Test bestätigte dann auch meine Vorurteile in vollem Umfang. Ich finde, die Bedienbarkeit ist relativ umständlich. Bis ich einen Artikeltext in einer lesbaren Größe angezeigt bekomme, ist einiges Herumprobieren nötig. Und selbst dann werden manche Kurz-Artikel nur als nur schwer zu entziffernde Grafiken angezeigt. Ich habe ein Weilchen gebraucht, bis ich auf die Möglichkeit der Vergrößerung eines individuellen Seitenausschnitts gestolpert bin. Dann sind die Texte lesbar, allerdings haben die Bilder das Aussehen schlecht eingescannter Zeitungsartikel. Das alles läuft übrigens über Popup-Fenster.

Und obwohl ich berufsbedingt nichts gegen Werbung habe, bin ich doch etwas verwundert, wenn eine ganzseitige Anzeige beim Draufklicken so groß angezeigt wird, dass man den Copytext auch wirklich lesen kann – mancher Artikel jedoch beim schnellen Klick auf den Vergrößerungsbutton immer noch unleserlich ist.

Insgesamt also absolut nichts für mich – durchgefallen auf der ganzen Linie. Der einzige „echte“ Vorteil der E-Paper-Ausgabe wäre die frühere Verfügbarkeit. Da ich aber nicht so brennend auf die Zeitschrift warte, kann ich gut damit leben, nicht zu den Erstlesern zu gehören.

Übrigens: Allen Unkenrufen zum Trotz, beziehen angeblich bereits 50.000 ADAC-Mitglieder die Clubzeitschrift als E-Paper. Laut ADAC ist sie damit „klickstärkste virtuelle Zeitschrift in Deutschland“.

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