
Ein paar deutsche Blogger dürfen vier Wochen lang einen Opel Astra testen – und prompt hat ganz Kleinbloggersdorf wieder einmal einen Anlass, um in schönster Selbstreferentialität eine der ach so beliebten Grundsatzdiskussionen vom Zaun zu brechen. Vom Verlust der Glaubwürdigkeit ist da die Rede und vom Missbrauch des Vertrauens treuer Blogleser.
Bezeichnend dabei ist die in der Blogosphäre übliche Heftigkeit der Vorwürfe, die auch die „Beschuldigten“ verwundert:
„Was mich ja an der ganzen Geschichte schon betrübt, ist die Art und Weise, wie das Wort ‚Glaubwürdigkeit‘ benutzt wird. Und vor allem, mit was für einer atemberaubenden Geschwindigkeit einem die ‚Glaubwürdigkeit‘ entzogen wird. Es reicht manchen Menschen, wenn man eine Geschichte oder einen Satz schreibt, der nicht in das Konzept des Lesers passt. Plötzlich ist alles, was der Leser mit dem Blog verbunden hat, was im Autor gesehen hat, hinfällig.“
Quelle: Don Dahlmann
Viel ist in den letzten Tagen dazu schon geschrieben worden, unter anderem von Martin Oetting, Robert Basic und Klaus Eck. Letzterer fasst zusammen:
„In den Diskussionen geht es jetzt immer wieder um die Frage, ob die Blogger dadurch nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren und das Vertrauen ihrer Leser missbrauchen würden. Dabei sollte sich jeder selbst nur vergegenwärtigen, dass Blogger erst einmal keine Journalisten sind, sondern nur sich selbst verpflichtet. Wer bloggt, verfolgt mit seinen Inhalten immer ein gewisses Interesse.“
Quelle: PR Blogger
Blogger-Tests aus Blogger-Sicht
Auch meiner Meinung nach sind Blogger nicht per se „unglaubwürdig“ oder „käuflich“, wenn sie über Produkte berichten, die sie von Unternehmen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt. Sehen wir einmal von der Frage ab, ob private Blogger überhaupt an journalistischen Kriterien wie Unabhängigkeit, Unvoreingenommenheit usw. gemessen werden wollen und sollen. Was tut denn ein Blogger bei einem solchen Test? Und was hätte er davon, ein schlechtes Produkt schönzuloben?
Bei Journalisten könnten man unter Umständen die Orientierung an Faktoren wie dem Anzeigenvolumen des Testobjekt-Bereitstellers unterstellen – auch wenn die Pressebranche dies immer wieder vehement dementiert, die tägliche Erfahrungen in deutschen Presseabteilungen sehen nun einmal häufig anders aus. Ein Blogger dagegen ist nicht auf das Unternehmen angewiesen, welches ein Testprodukt bereitstellt. Vorausgesetzt das Unternehmen spielt mit offenen Karten.
Beispiel: Mein simyo-Test, zu dem es voraussichtlich in den nächsten Tagen einen ausführlichen Artikel geben wird. Über das Mundpropaganda-Netzwerk trnd, bei dem ich Mitglied bin, habe ich eine simyo-SIM-Karte mit 10 € Startguthaben erhalten. Bedingung: Testen und am Ende einen Online-Umfragebogen ausfüllen. Bloggen über die Aktion ist zwar gern gesehen, aber kein Muss. Ich werde also ehrlich berichten. Viel Negatives wird nicht dabei sein, weil ich von dem Produkt einen sehr positiven Eindruck gewonnen habe.
Aber bin ich deswegen käuflich? Ich denke nicht, denn warum sollte ich ein Produkt, von dem ich ehrlich überzeugt bin, nicht weiterempfehlen? Wenn ich vom getesteten Produkt so gar nicht begeistert gewesen wäre, hätte ich das ebenfalls geschrieben. Warum auch nicht. Weil ich von simyo ganze 10 € Gesprächsguthaben geschenkt bekommen habe? Das wäre wohl lächerlich. Und selbst wenn man ein getestetesProdukt behalten dürfte: Wieso sollte man ein Produkt, das einem nicht gefällt oder das im Test sogar arge Macken aufweist, behalten und weiterempfehlen wollen? Es fehlt also meines Erachtens jeglicher Anreiz, die Berichte im eigenen Blog zu beschönigen.
Blogger-Tests aus Unternehmens-Sicht
Für Unternehmen können solche Marketing-Aktionen durchaus ein zweischneidiges Schwert sein. Immerhin ist eine positive Resonanz nicht von vornherein sichergestellt. Die Qualität der Produkte ist hier ebenso wichtig wie eine absolut offene Kommunikation. Die testenden Blogger dürfen nicht an die Kette gelegt werden, sondern müssen auch über Fehler und Macken schreiben dürfen. Denn nur wenn Blogger nicht als externer Werbetexter „missbraucht“ werden, kann eine solche Aktion überhaupt erfolgreich sein. Keinesfalls darf der Eindruck entstehen, ein Unternehmen würde sich die wohlwollende Berichterstattung in Blogs erkaufen. Im Gegenteil: Insbesondere private Blogger werden es schätzen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Meinung dem Unternehmen wichtig ist, sie auf gleicher Augenhöhe behandelt werden und sich vielleicht ein wenig wichtig fühlen dürfen.
Das bedeutet aber auch, dass ein Unternehmen zunächst einmal ein gutes Produkt haben und von diesem auch selbst überzeugt sein muss. Wer ein gutes Produkt hat, muss schließlich auch keine vernichtende Kritik an selbigem fürchten. Kleinere Verbesserungsvorschläge, die öffentlich vorgebracht werden, können dagegen sogar sehr nützlich sein. Wird ein solcher Vorschlag tatsächlich umgesetzt, ist der betreffende Blogger mit Sicherheit der erste, der dies herumerzählen wird – schließlich war es ja seine Idee.
Ich bin gespannt, wie sich diese Art der Einbindung von Bloggern in die Unternehmenskommunikation weiter entwickeln wird. Zumindest zeigt sie, dass Blogger als Multiplikatoren mittlerweile ernst genommen werden. Ach und übrigens: Beim AMD-Notebooktest habe ich mich auch beworben. Also steinigt und vierteilt mich, denn ich bin unglaubwürdig ;-)


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