PR-Dummsprech im Sommerloch: Abhilfe gegen Computerkrebs

| mehr

Abhilfe gegen Computerkrebs

Manche Pressemeldungen klingen ein wenig zu überschwänglich, andere verschweigen geflissentlich das ein oder andere Gegenargument. Und dann gibt es noch die Kategorie „saudämlich“.

„Defragmentierung als Abhilfe gegen ‚Computerkrebs‘?

[…] Auch wenn Viren und Spyware berüchtigter sind, stellt die Fragmentierung eine schleichende Bedrohung dar, die in allen Computern und Netzwerken auf Windows-Basis lauert. […] Wenn Sie aber einen Windows-Rechner haben, lauert darin ein verstecktes Problem, das schliesslich zur Verstümmelung und zum Tod Ihres Systems führen wird. Dieses versteckte Problem nennt man Fragmentierung, […]“

Quelle: Presseportal

Die Meldung stammt von der Diskeeper Corporation aus East Grinstead in England. Da hat sich wohl ein übermotivierter Pressemeldungs-Schreiberling vor dem Tippen zu viel lauwarme Cervisia hinter die Binde gekippt. Anders ist dieses amüsante Stück Realsatiere wohl kaum zu erklären.

Nicht nur, dass der geneigte Leser (die Meldung richtet sich insbesondere an „technische Redakteure“) völlig im Unklaren gelassen wird, wer denn nun die „einige Fachleute“ sind, die die Fragmentierung einer Computerfestplatte „als schlimmer als Viren“ einschätzen. Auch der tiefere Sinn der Meldung lässt sich auch nach mehrmaligem Lesen nicht ergründen. Der Autor vermeidet es nämlich, wenigstens einen dezenten Hinweis zum hauseingenen Defragmentierungsprogramm herzustellen, das genauso heißt wie das Unternehmen. Stattdessen heißt es:

„Aber sehen Sie sich vor! Genau wie in der Medizin werden nicht alle Defragmentierungsprogramme gleich. Unternehmen wie Diskeeper Corporation (www.DiskeeperEurope.com) stellen sogar Defragmentierungsprogramme an, die Sie einstellen und sich selbst überlassen können, damit diese schnell und automatisch die Festplatte auf Topleistung unterhalten, während sie nahtlos im Hintergrund laufen.

Es gibt sogar noch leistungsfähigere Defragmentierungsprogramme für anspruchsvolle und Netzwerk-Benutzer. Am besten ist jedoch eines dieser Produkte herunterzuladen und selbst zu vergleichen. Die meisten Unternehmen bieten freie Downloads an.“

Quelle: Presseportal

Ähm, wie war das noch gleich – Diskkeeper stellt Defragmentierungsprogramme an? Kriegen die dann auch einen Firmenwagen oder sind das Freelancer-Programme? Und bitte was soll der nutzlose Hinweis auf die kostenlosen Downloads der „meisten Unternehmen“, die man dann selbst vergleichen soll?

Ich glaube ja, die eigentliche Botschaft war: „Schaut alle her, das ist unser Beitrag zum Sommerloch! Wer kann’s noch dämlicher?“ Nun ja, vielleicht lässt sich ja ein „technischer Redakteur“ der Computer Bild dafür begeistern, da gibt’s dann bestimmt in der Fußzeile eine nette Aussprechhilfe für fraag-mään-tiii-ruung.

Ich jedenfalls werde meiner Festplatte jetzt eine kleine Krebsvorsorge gönnen, während ich es mir mit einer guten DVD, einem Glas Rotwein sowie meiner Frau vor dem Fernseher gemütlich mache. Ach ja, so angenehm kann die Rettung meines Systems „vor sicherem Verhängnis“ sein.

Aufmerksam wurde ich auf diese Pressemeldung übrigens beim ORF.

| mehr

blog comments powered by Disqus