
Vor einer halben Stunde erhielt ich eine Pressemeldung mit dem Titel „Designpreis für Neugestaltung von openBC geht an Carsten Thöne“. Dort ist zu lesen:
„Die über zwei Monate andauernde Spannung hat seit Dienstag ein Ende: Gewinner des mit 10.000 Euro dotierten openDESIGN Project ist der Entwurf von Carsten Thöne, Art Director der Agentur ‚absofort Erfolg im Internet‘.“
Quelle: absofort Erfolg im Internet
Und so sieht er aus, der Siegerentwurf:

Sieht hübsch aus. Und offensichtlich war es ja auch finanziell nicht ganz vergeblich. Gratulation an Herrn Thöne.
Doch was hat das jetzt bitte mit den bereits veröffentlichten Preview-Bildern der neuen XING-Website zu tun?

Nicht besonders viel, möchte ich meinen. Ob die Ergebnisse des 10.000 Euro teuren Design-Wettbewerbs überhaupt in das Endprodukt einfließen, weiß anscheinend auch noch niemand so richtig. Herr Thöne selbst wird hierzu in der Pressemeldung folgendermaßen zitiert:
„‚Welche Möglichkeiten es gibt, unsere Ideen in das endgültige Design zu integrieren, ist momentan allerdings noch offen.‘ In den kommenden Wochen wird Thöne gemeinsam mit openBC die Grundzüge und Details des Redesigns erarbeiten.“
Quelle: absofort Erfolg im Internet
Nun ja, da mag jetzt jeder draus machen, was er will.
Doch was sind diese 10.000 Euro schon gegen die offensichtlich richtig dicken Kosten für „XING-Trailer“ und „Video“!
Der ca. 35 Sekunden lange Flash-Trailer auf der Startseite sieht richtig gut aus – das war bei den dafür verantwortlich zeichnenden powerflashern auch nicht anders zu erwarten. Eine wirklich gute Musik (die mich spontan ein wenig an den Soundtrack von National Treasure erinnert hat) und Bilder, die Lust auf mehr machen.

Erwartungsvoll habe ich auf den mit „Video“ beschrifteten Tab geklickt. Doch was mir der fünf Minuten lange Streifen sagen will, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr gelangweilt.

Leute aus aller Welt kloppen sich zu langweiliger Typisch-Business-Film-Dudelmusik die gekreuzten Finger wund, um dies offensichtlich als neues trendiges Erkennungszeichen der XING-Gemeinde bekannt zu machen. Und zwischendrin gibt openBC-Chef Lars Hinrichs – der für meinen Geschmack in diesem Video überhaupt nicht gut rüberkommt – ein bisschen wohlklingendes, jedoch völlig inhaltsloses Marketinggeblubber zum Besten.
Bereits nach 15 Sekunden hätte ich eigentlich ausgeschaltet, aber irgendwie hatte ich fälschlicherweise die Hoffnung, es würde dann am Ende doch noch etwas Interessantes kommen. War aber nicht. Der Inhalt ließe sich bequem auf fünf Sekunden zusamenschrumpfen. Und das ganze sieht so dermaßen nach den typischen einschläfernden Unternehmens-Imagevideos aus, die sich außer den Auftraggebern niemand wirklich gerne anschaut, dass ich dann doch sehr enttäuscht war.
Wenn XING schon in allen anderen Bereichen ganz offenkundig extrem auf Web 2.0 getrimmt wird, was soll dann dieses Relikt aus den Urzeiten der B2B-Kommunikation? Das Geld für diese Produktion (und es wird mit Sicherheit nicht wenig gewesen sein) hätte man bestimmt anderweitig wesentlich sinnvoller einsetzen können.

