
Vor knapp einem Jahr meldete die Werbefachzeitschrift Horizont, dass die Nürnberger Norisbank zukünftig TeamBank hieße. Soweit so schlecht (allein das Logo ist eine Katastrophe), doch seit Freitag gibt es nun auch wieder eine neue Norisbank. Sie residiert allerdings in Frankfurt und Leipzig und hat auch sonst nichts mehr mit dem traditionellen Nürnberger Bankhaus zu tun. Wo Norisbank draufsteht ist also nicht Norisbank drin. Und wo Norisbank drin ist, steht TeamBank drauf. Wer soll sich da noch auskennen?
Es mag übertriebener Lokalpatriotismus sein – denn soweit ich weiß, konnte sich die „alte“ Norisbank keiner bundesweiten Bekanntheit erfreuen – doch trotzdem halte ich das Vorgehen der Deutschen Bank und der TeamBank unter Markenführungsaspekten zumindest für bedenklich. Schon die Tatsache, dass es nicht ganz einfach ist, herauszufinden, welcher Teil der „alten“ Norisbank heute zur TeamBank und welcher zur neuen Norisbank gehört, sollte zu denken geben. Schließlich sollten Marken Orientierung bieten und nicht Desorientierung.

Wer ist wer?
Wenn ich die Angaben auf den jeweiligen Unternehmenswebsites sowie die Informationen aus Pressemeldungen sowie Wikipedia richtig verstanden habe, sieht es wie folgt aus: Im August 2006 verkaufte die damalige norisbank AG ihre 98 Filialen, den Markennamen „norisbank“ sowie ihren Kundenstamm (334.000 Kunden) an die Deutsche Bank. Der Zukauf wurde in der neu gegründeten „norisbank GmbH“ gebündelt, deren Hauptsitz Frankfurt a.M. ist.
Die Nürnberger Zentrale einschließlich der Mitarbeiter waren jedoch nicht Gegenstand des Verkaufs. Sie bilden seit Januar 2007 die TeamBank AG, die sich von nun an ausschließlich auf den Vertrieb ihres einzigen Produkte easyCredit konzentriert. Falls diese Zusammenfassung Fehler enthält, bitte ich um Berichtigung in den Kommentaren.
Wie geht es weiter?
Die TeamBank tritt seit ihrer Gründung nur noch selten oder zumindest erst relativ spät nach außen in Erscheinung, da fast die komplette Marketingkommunikation über die Produktmarke easyCredit läuft. Dieser Verbraucherkredit wird sowohl über Volksbanken und Raiffeisenbanken vertrieben als auch in speziellen easyCredit-Shops.
Die neue Norisbank wird als „der erste Qualitätsdiscounter im deutschen Bankenmarkt“ und „die erste Direktbank mit flächendeckendem Filialnetz“ angepriesen. Die Positionierung geht also ganz klar in Richtung Billig-Bank. Ob die von der „alten“ Norisbank übernommenen Kunden sich mit diesem Image identifizieren können, wird sich zeigen. Ich persönlich halte diese Vorgehensweise für nicht ganz ungefährlich.
Schließlich hat sich die Deutsche Bank vor ein paar Jahren schon einmal mit dem Discountbank-Experiment „Deutsche Bank 24″ durch ein ähnliches Vorgehen die Finger verbrannt. Damals wurden rund sieben Millionen Deutsche-Bank-Kunden zur Deutschen Bank 24 „verschoben“. Diese Zwangsumsiedelung zur Billig-Tochter führte dazu, dass sich die Kunden fortan als „Kunden zweiter Klasse“ fühlten, die Deutsche Bank schließlich zurückrudern musste und die „24″ schnell wieder aus den Leuchtschriften der Filialen verschwand. Schlechte Presse und Negativ-Image gab es natürlich gratis dazu.
Im Fall Norisbank sind es zwar „nur“ 334.000 Kunden. Doch ob es ihnen gefällt, ihr Konto plötzlich bei einer Discount-Bank zu führen? Mich würde interessieren, ob die Deutsche Bank aus der Misere gelernt und ihre zugekaufte Kundschaft zum Imageumbau befragt hat. Immerhin taucht die Kundenzahl recht weit oben in der Pressemeldung auf. Da wäre es doch auch angebracht, die Meinung seiner Kunden entsprechend wertzuschätzen.


