Microsoft will cool und witzig werden – doch ob Werbung der Marke wirklich helfen kann?

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In ihrem absatzwirtschaft-Marketing-Blog berichtet Yvette Schwerdt über eine 300 Million Dollar teure Werbekampagne, die Microsoft Anfang September startet. Vordergründig soll das Image des Betriebssystems Windows aufpoliert werden. Doch offenbar geht es auch um eine Korrektur des häufig negative Images des Unternehmens.

Dafür setzt Microsoft auf Humor. Für 10 Millionen Dollar wird Star-Comedian Jerry Seinfeld im Auftrag von Microsoft seine Witze machen. Und auch Bill Gates soll wieder ran. Denn: „Der Gründer von Microsoft hat bereits mehrfach einen ausgesprochen feinen Sinn für Humor und viel Selbsironie bewiesen.“ Dabei verweist Yvette Schwerdt auf das Promotion-Video, das Gates’ anlässlich seiner Verabschiedung hat drehen lassen:

Werbung ersetzt keine glaubhafte Unternehmens- und Produktkultur

Ich persönlich bezweifele stark, dass das Vorhaben mehr bringt als der ausführenden Agentur Crispin Porter & Bogusky ein dickes Umsatzplus. Denn die Positionierung einer Marke lediglich durch einen witzigen Anstrich der Marketingkommunikation zu verändern, ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Das mag vielleicht noch immer bei einem Schokoriegel funktionieren. Bei einem Unternehmen wie Microsoft allerdings müsste meiner Meinung nach viel mehr passieren.

Erstens ist Microsoft – mal wieder – extrem spät. Als Reaktion auf die genialen „I’m a Mac“-Spots dürfte die Kampagne einige Jahre zu spät kommen. Dass ein Unternehmen mit so gewaltigen personellen und finanziellen Ressourcen so lange braucht, um zu kontern, ist schon bezeichnend. Dann lieber schweigen, gar nicht darauf eingehen und eine offensive Kommunikation betreiben, die allerdings auf ganz andere Aspekte setzt. Hier jedoch ist der Bezug deutlich erkennbar, ob gewollt oder ungewollt. Dadurch wird sich die Kampagne auch immer den Vergleich zu den Apple-Spots und deren Erfolg gefallen lassen müssen.

Windows ist weder cool noch sexy

Apple nimmt man das coole, innovative Image ab, weil die Hard- und Software-Produkte, das Unternehmen und seine Vertreter sowie die Apple-Fans rundum zusammen passen. Natürlich gibt es auch bei Apple den ein oder anderen Kratzer im Markenimage. Doch alles in allem ist das Lifestyle-Image durchaus glaubwürdig.

Anders bei den Redmondern. Windows ist nicht cool. Windows ist nicht sexy. Da ändert auch die mit Glanzeffekten überfrachtete Oberfläche von Windows Vista nichts. Windows ist ein Arbeitstier, das auf Millionen von Büro- und Heim-PCs seinen Dienst tut. Die Benutzer ärgern sich über die Leistung, über die manchmal eigenwillige Bedienbarkeit und über seltsame Fehlermeldung. Doch sie arbeiten mit Windows, weil Windows nun einmal „Office-Standard“ ist, weil es vorinstalliert ist oder einfach nur weil sie es schon seit vielen Jahren tun.

Ähnliches gilt für die Wahrnehmung von Microsoft. Das Unternehmen ist langsam, verschläft gerne mal einen Trend, um dann mit großem finanziellen Aufwand den Anschluss zu suchen. Innovative Ideen werden oft in Form von Firmenübernahmen hinzugekauft und dann doch nur halbherzig umgesetzt. Ob das alles den Tatsachen entspricht, steht auf einem anderen Blatt. Doch darum geht es hier nicht.

Überspitzt formuliert kann man sagen: Apple hat Fans. Microsoft hat Gegner oder bestenfalls Dulder.

Und nun soll also eine Werbekampagne â€“ eine naturgemäß eher oberflächliche Form der Marketing- und Unternehmenskommunikation â€“ die täglichen Erfahrungen und seit Jahren gewachsenen Einstellungen der Windows-Nutzer ändern. Bin ich eigentlich der einzige, dem das etwas hoch gegriffen erscheint?

Update: Was will uns dieser Werbespot sagen?

Der Spot mit Jerry Seinfeld und Bill Gates ist nun auf YouTube zu sehen. Doch ich muss mich Spießer Alfons’ Bewertung anschließen: Ich habe keine Ahnung, was dieser Spot eigentlich soll. In seiner Serie fand ich Seinfeld wirklich witzig. Aber das hier? Und ganz abgesehen vom Verständnisproblem finde ich, dass der Spot in keiner Weise auf die Marke Microsoft einzahlt.

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  • Mit Image-Werbung gegen die eigene Produkt- und Unternehmenskultur zu schießen, das kann niemals funktionieren. Microsoft hätte besser daran getan, die eigenen Werte zu suchen und zu stärken. Wäre ja eigentlich offensichtlich, man muss dafür nur die Apple-Werbung schauen. Der PC-Guy ist in seiner unbeholfenen Spießigkeit eigentlich total sympathisch. Sollte es Microsoft schaffen, mit der neuen Kampagne tatsächlich Humor zu zeigen und die eigenen Macken zu ironisieren, dann könnte das klappen. Schließlich ist es heute schick, ein Geek zu sein.
  • Ja, wenn das so ist, muss ich mich auch als Spießer (Alfons) outen: habe den spot nämlich auch nicht begriffen oder sonderlich geschätzt. Bin wohl auch als Konvertit zu Mac vielleicht nicht die Zielgruppe. Wurscht. Microsoft gräbt sein eigenes Grab mit einer Geschwindigkeit, die beachtlich rasant ist.
  • Aktuell gibt es auch eine Virale Marketingkampagne bei Youtube ("Woosh").
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