
Westaflex, Hersteller lufttechnischer Produkte für die Klima-, Filter-, Abgas- und Haustechnik, setzt beim Online-Marketing stark auf Web-2.0-Instrumente. Mit Jan Westerbarkey, CEO von Westaflex, sprach ich über das mutige Engagement des Familienunternehmen im Web.
Bis vor kurzem war Westaflex mit einer eigenen Erlebniswelt in Second Life vertreten. Diese wurde zwar zum Jahreswechsel eingestellt. Doch Sie haben mir verraten, dass es auf anderen 3D-Plattformen weitergehen soll. Was macht 3D-Communitys für Westaflex so spannend?
„3D-Welten sind ein Vorgriff auf die zukünftige Nutzung des Web. So wie Chat immer mehr Mail, auch im geschäftlichen Bereich ersetzen wird, nimmt die 3D-Kommunikation die Weiterentwicklung von Video-Konferenzen ein. Es lassen sich Sachverhalte und Produkte im wahrsten Sinne erleben.
Quasi die Weiterentwicklung von CAD-Strichen durch Eigenschaften, die Simulationen, Rapid Prototyping und Sinnzusammenhänge ermöglichen. Diese neuen Möglichkeiten entsprechen sehr viel mehr dem kreativen Potential unseres menschlichen Gehirns und der Zusammenarbeit von Gruppen in Projekten.
Wir sprechen ja auch davon, dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagt. Derzeit engagiert sich Westaflex unter anderem in Twinity.
Wir sorgen für gute Luft und sauberes Wasser. Mit Produkten aus Alu, Edelstahl und Kunststoff schaffen wir Lebensräume, so unser Slogan. Übersetzt bedeutet es auch, alle Mitarbeiter von Westaflex haben eine Mission: Lebensräume zu erhalten und Lebensräume zu verbessern. Das deckt sich mit den übergeordneten Zielen der Menschheit.“
Westaflex bloggt, podcastet, twittert, ist auf YouTube, Sevenload, Last.fm und weiteren Web-2.0-Plattformen vertreten. Auf der „offiziellen“ Westaflex-Website sind die Hinweise auf dieses reichhaltige Angebot jedoch sehr dezent und beinahe schon versteckt gehalten. Ist das bewusstes Understatement oder lässt es sich ohne „prominente“ Promotion flexibler experimentieren?
„Vielen Fällen zeugen unsere Web 2.0 Aktivitäten von Neugier aber auch von Versuch und Irrtum. Gleichzeitig ist es aus unserer Sicht wichtig, unsere Marke in möglichst vielen sozialen Netzen zu sichern.
Erst allmählich werden Web-2.0-Technologien auch auf unserer Homepage Einzug halten. Aktuell arbeiten wir an einem Relaunch unserer Seiten, so dass beispielsweise unser Blog, wie auch unser Youtube-Kanal im neuen Newsroom integriert werden.
Wir glauben, dass die Zeiten des Monologs im Web endgültig dem Dialog gewichen sind, was auf der anderen Seite bedeutet, dass FAQs, Anwender-Referenzen und Fan-Community bald Bestandteil unseres Webauftritts sein werden.
Eine Frage bleibt allerdings, ob unsere Hersteller-Community genauso angenommen wird, wie derzeitige Allerwelts-Foren und Meinungs-Portale im Internet. Es ist der Spagat zwischen Glaubwürdigkeit und Verantwortung laut Impressum.
Wie seinerzeit auf unser Second Life Insel kommt es zukünftig darauf an, unser Corporate Identity prägend in den jeweiligen Web-2.0-Aktivitäten einzubringen. Immer mehr eine Aufgabe, die wir nur mit externer Hilfe umsetzen können – die Zeit der ‚ich leg mal los‘-Webauftritte ist für Unternehmen vorbei.“
Soweit ich das sehen konnte, haben viele der Web-2.0-Engagements von Westaflex nicht direkt mit dem Kerngeschäft zu tun. Es geht beispielsweise um EDI oder um die Ausbildung bei Westaflex. Wie relevant sind Web 2.0, User Generated Content und Social Networks für Marketing, Vertrieb oder Support von Westaflex? Und wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung?
„Seit unserem ersten Nachhaltigkeitsbericht hat CSR (corporate social responsability) einen besonderen Stellenwert in unser Unternehmenskultur bekommen. Als Familienunternehmen sind wir Teil der Gesellschaft, der Region und Teil der bei uns beschäftigten Familien. Dazu zählen im übertragenen Sinne ebenfalls gesellschaftsrelevante Themen und Meinungsbildung unter anderem in Blogs und Foren. Aus politischen Bereichen und Lobbyarbeit halten wir uns aus Überzeugung heraus.
Nehmen wir das Beispiel EDI, das für die elektronische Daten-Integration zwischen Unternehmen steht und bereits in den 80er Jahren durch die Welthandels-Organisation normiert wurde. Hier engagieren wir uns für den Welt-EDI-Tag am 12. November eines jeden Jahres. Da Welttage jedoch in der UN-Vollversammlung beschlossen werden, ist hier noch politische Überzeugungsarbeit notwendig. Allein im Mittelstand ließe sich durch konsequenten EDI-Einsatz pro Jahr allein in Deutschland 240 Milliarden Euro einsparen. Natürlich kein ureigenes Westaflex-Ziel, sondern im Interesse des Standortes Deutschland.
Gleiches gilt übrigens auch für bereits absehbare, demografische Entwicklungen. Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber für Azubis und Fachkräfte sein. Und zeigen unseren Arbeitsalltag beispielsweise in einem Azubi-YouTube-Video.
Unser Menschenbild ist geprägt vom verantwortungsvollen, unternehmerisch denkenden Mitarbeiter. Dafür bieten wir Raum und Meinungsplattform.“
Online-Aktivitäten, bei denen Mitarbeiter das eigene Unternehmen im Netz vertreten, kosten Zeit – egal ob es ums Bloggen, Twittern oder die Nutzung von Social Networks geht. „Dafür haben wir während der Arbeitszeit nicht auch noch Zeit und Muße“ ist ein gern gehörtes Gegenargument. Wie hält es Westaflex damit, solche authentische Online-Kommunikation und dadurch letztlich menschliches/persönliches Online-Marketing durch Mitarbeiter zu fördern und zu fordern?
„‚Kreativität auf Knopfdruck‘ ist schwierig. Daher entstehen ein Teil der Web-Meinungsbeiträge in Überlegung und aller Ruhe außerhalb der Arbeitszeit. Zu unseren Aufgaben als Markenhersteller zählt auch das Meinungs-Monitoring im Internet. Derartige Beiträge entstehen während der Arbeitszeit.
Wichtig ist uns das Prinzip der Freiwilligkeit. So wie jeder Mitarbeiter eine eigene Mail-Anschrift hat, besitzt er auch Autorenrechte auf unserem internen Westapedia genannten Wiki, wie auch auf dem externen öffentlichen Blog. Übrigens bedeutet das Vorhandensein von Web 2.0 ja nicht, dass Web-1.0-Aktivitäten, wie unsere Firmen-Fußball-Mannschaft nicht mehr existieren: jedoch eben unsichtbar und nicht multimedial … Wahrscheinlich gilt auch hier das Wikipedia Prinzip: einige wenige Autoren schreiben für eine viel größere Leserschaft.
Natürlich gelten Verhaltensregeln wie in einer Telefon-Kommunikation: der Gard an Vertraulichkeit hängt vom Gegenüber ab; der Grad an Intimität hängt von der jeweiligen Lokalität ab (geschlossene/offene Plattform). Insgesamt gilt der gesunde Menschenverstand.
In Zukunft wird unsere Kommunikation immer mehr im Web 2.0/3.0 stattfinden. Auch für unseren Newsletter ist ja ‚schriftstellerisches Grundtalent‘ und Zeit-Investition notwendig. Da wir uns, wie bereits ausgeführt, nicht um politische Themen kümmern, ist der Zeitaufwand stets überschaubar.
Aber natürlich wollen die neuen Möglichkeiten in den Tagesablauf integriert sein. Wir bleiben jedoch Menschen, die im Zweifel eine persönlichen Diskussion beim Bier, dem Web-Update der Messe-Berichterstattung vorziehen/dafür verschieben.“
Können Sie uns schon verraten, was die nächsten Experimente bzw. Projekte von Westaflex im Web 2.0 sein werden?
„In nächster Zeit die Integration unser Web-2.0-Aktivitäten in unseren neuen Web-Auftritt. Dann der Aufbau einer Online-Sprechstunde, zu festen Zeiten und Terminen. Unserem Erfolgsrezept aus Zeiten von Second Life.
Wir merken, dass die Anspruchshaltung an Videoqualität und Bildauflösung zugenommen hat. Das bedeutet eine komplette Überarbeitung von Prospekt- und Bildmaterial. Und natürlich, professionelle Sprecher statt Eigenstimmen in Audiobeiträgen.
Überhaupt konsolidieren sich derzeit viele Web-2.0-Angebote, die bislang kaum die Gewinnzone erreicht haben. Auch dies bestätigt unsere Strategie Qualität vor Quantität. Vielleicht sind Twitter & Co. für Unternehmen ja auch bald kostenpflichtig – dann sollten wir unsere Positionierung abgeschlossen haben.
Es ist uns ebenfalls wichtig, welche Datenschutz-Grundbedingungen vorliegen. Die aktuelle Diskussion um Facebook hat auch bei uns intern für Diskussion gesorgt. So bevorzugen wir deutsche Anbieter, wie XING, was die Bandbreite an neuen Web-2.0-Engagements etwas einschränkt.
In Zeiten der Überall-Verfügbarkeit des Web wollen wir in diesem Jahr die Westaflex-Akademie gründen, die klassische Seminare mit e-Learning kombiniert und bisherige Angebote, wie Podcast nutzt.
Das Angebot aus einer Hand, aus einem Guss und unter einheitlicher Oberfläche ist Credo für 2009.“
Vielen Dank für das Interview an Jan Westerbarkey, CEO von Westaflex. In diesem Zusammenhang kann ich außerdem das Video-Interview mit Jan Westerbarkey im Multimediablog von Bernd Schmitz empfehlen. Dort geht es um das Thema „Westaflex auf dem Weg zu Enterprise 2.0“.
Hintergrund-Informationen zu Westaflex :
Vor mehr als 75 Jahren inspirierte ein neues Patent den Firmengründer Ferdinand Westerbarkey zu seiner Geschäftsidee. Gemeinsam mit seinen Brüdern Leonhard und Lorenz als technische Berater entwickelte er auf dieser Basis marktfähige, technisch ausgereifte flexible Rohrleitungen, die in unterschiedlichen Sektoren zur Anwendung kommen – bis heute das Kerngeschäft des Unternehmens. Bei der Gründung des Unternehmens, das wohl Westerflex heißen sollte, kam es dann zur Geburt der Marke Westaflex – wahrscheinlich durch einen Schreibfehler des Notars.
Westaflex-Systeme kommen zum Beispiel im Automobilbau, in der Zugtechnik (ICE-Lüftungen), in der Wohnraumbe- und -entlüftung oder in der Abgastechnik zum Einsatz. Besonderen Wert legt das Unternehmen auf nachhaltige, umweltgerechte Verfahren und Produkte. Diese werden ausschließlich durch den autorisierten Großhandel (Abgas- und Haustechnik) oder im zweistufigen Vertrieb (Fahrzeugbau, Projektgeschäft) angeboten.

